Berührung

Eben erhalte ich von einem Freund den Link auf einen Artikel im Stern. In diesem geht es um die Macht der Berührung. Von anderen körperlich berührt zu werden hat eine teils unbewusste, aber immer tief gehende Wirkung auf uns.

Die in dem Artikel vorgestellten Erkenntnisse sind – wie von einem Mainstream-Medium zu erwarten 😉 – nicht wirklich neu. Sie sich bei dieser Gelegenheit in Erinnerung zu rufen ist allerdings lohnenswert.

Auf diese Aspekte der Berührung wird dort hingewiesen:

Berührung ist für Babys so wichtig wie Nahrung

– Babys stehen mit der Welt vor allem über ihren haptischen Sinn, also den Tastsinn und das Berührungsempfinden in Verbindung.

Ein Kind, das ideal ernährt und sauber gehalten, darüber hinaus aber im Extremfall nie berührt wird, stirbt. Es hat diesen Versuch an Waisenkindern gegeben.

Das Baby ist mit seiner Umwelt noch viel mehr eins als es Erwachsene sind. Um sich selbst zunehmend von der Welt unterscheiden zu lernen, muss es über alle Sinne mit seiner Umwelt in Kontakt treten. Anfangs eben vor allem fühlend, spürend.

Es scheint paradox, ist aber ganz klar: Wir Lebewesen lernen uns selbst als dreidimensionale körperliche, eigenständige Wesen über den reichhaltigen Kontakt zu unserer Umwelt kennen und abzugrenzen, nicht dadurch, dass wir uns schon von Anfang an abgrenzen und isolieren bzw. isoliert werden.

Sein Kind mit zwei Meter Abstand vor sich herschieben oder es am Herzen tragen?

Ich denke an dieser Stelle an die Gewohnheit der westlichen Gesellschaft, ihre Babys in Tragekörben zu tragen und isoliert in Kinderwagen vor sich her zu schieben. Das kleine Kind sitzt dort in einem „Käfig“ allein, mit viel Abstand zu der für das kleine Wesen lebenswichtigen Bezugsperson. Was für eine traurige, distanzierte Angewohnheit. Völlig unnatürlich.

Zum Glück scheint es in letzter Zeit aber eine Rückbesinnung zu geben und mir fallen immer mehr Mütter – und Väter – auf, die ihre Kleinen in einem Tuch an Herz und Bauch tragen. Ich habe schon viele Kleinkinder aus Kinderwagen weinen hören, aber bisher nur ein Mal eines, das am Körper getragen wurde. (Bis dahin konnte ich sagen „aber noch nie eines…“ – verflixt :D)

Wie ruhig und zufrieden diese Kinder meistens sind. 🙂

Noch ein spontaner Exkurs an dieser Stelle. Auf der Artikelseite des Onlinemagazins erscheint dem Leser am Seitenrand eine Anzeige eines Autoherstellers, in der das Kurzvideo eines weinenden Kindes mit der Frage gezeigt wird: „Wie beruhigt man ein Baby auf Knopfdruck?“.

Kinder per Knopfdruck ruhig stellen

Ich bin mir sicher, dass diese Werbung auf ein großes Bedürfnis, auf die hilflose Not vieler genervter Eltern trifft.

Aber wie traurig, und wie symptomatisch für unsere Gesellschaft, ist das. Ein kleines Menschenwesen, ein einzigartiges Individuum, das mit seinem Weinen IMMER richtig liegt, weil es noch 100 % authentisch, mit sich selbst in Kontakt und sich selbst vollkommen treu ist, „auf Knopfdruck“ zum Schweigen zu bringen.

Andere als solche mechanischen Wege der Verbindung mit uns selbst, mit unseren Partnern, Mitmenschen und unseren eigenen Kindern kennen wir nicht mehr?

Du könntest jetzt sagen: ach komm, stell dich nicht so an, wenn es eine spaßige (technische) Möglichkeit gibt, die tatsächlich funktioniert, wieso sie dann nicht auch anwenden. – Ich hab schließlich auch noch genug damit zu tun, mich um andere Dinge zu kümmern und zu schauen, dass Geld für mich und meine Familie herangeschafft wird.

Nur: Das sind aber alles ABLENKUNGSMANÖVER. Das Grundanliegen, in unserem Falle hier das des schreienden Kindes, wird durch irgendwelche Gimmicks und Spielereien nicht gelöst: Es wird kurzfristig überspielt. Überdeckt. Immer und immer wieder. Die Ursache bleibt tief im Inneren ungelöst erhalten.

Kinder liegen immer richtig

Wenn ein Kind auffallend häufig schreit und weint, dann ist es nicht so, dass etwas mit dem Kind nicht stimmt. Es stimmt etwas mit der Mutter, dem Vater, deren Beziehung untereinander und deren Verbindung zum Kind nicht. Kleinkinder haben immer Recht.

Als Erwachsene fragen wir ehemaligen Kinder, deren Bedürfnisse z.B. mit plärrendem, lärmendem Spielzeug zerstreut wurden, uns dann notwendig irgend wann: Wer bin ich eigentlich? Wie bin ich in diese meine Situation hier (such dir eine aus;) bloß hineingeraten? Was ist bloß aus mir geworden, dass ich so … geworden bin?

Dass ich mir selbst so fremd bin, mich selbst und oder andere so schlecht / kalt / lieblos / brutal / unfreundlich behandle?!…

Diese verletzten, übergangenen erwachsenen Kinder suchen in ihren 30ern und 40ern plötzlich sich selbst und ihre wahren Motive und Bedürfnisse. Die Ratgeber- und Selbstfindungs-Angebote boomen. Und die vielen Blogs zu dem Thema 😉

Es liegt daran, dass wir den KONTAKT zu uns frühzeitig verlieren! Ja, in erster Linie den authentischen Kontakt zu uns selbst. Und dann den zu Anderen.

Berührung ist für Heranwachsende essentiell und bleibt ein Leben lang für Pflanzen, Tiere und Menschen wichtig.

Der nächste Berührungspunkt.

– Männer werden kurzfristig risikofreudiger, mutiger, wenn sie von einer Frau an der Schulter oder der Hand berührt werden.

Werden Sie dadurch primär zuversichtlicher und mutiger oder werden sie durch die Berührung der Frau angeregt, „dick aufzutragen“? Vielleicht beides. 🙂

Die Pflanzenflüsterer liegen ebenfalls richtig

Oben habe ich sie schon erwähnt, die Pflanzen. (Die Frage ob auch Pflanzen so etwas wie eine Seele haben, ist eine weitere interessante…)

– Pflanzen, die regelmäßig berührt werden, gedeihen besser, sind widerstandsfähiger und gesünder; wenn auch etwas kleiner gewachsen.

Die förderliche Wirkung des „Pflanzen Streichelns“ wurde und wird ja von den Meisten (westlichen Mechanisten und Materialisten) als Aberglaube und Esoterikquatsch abgetan. Für diese Leute gibt es nun also wissenschaftliche Studien die das Phänomen belegen.

Wie sieht es darüber hinaus mit dem „Mit Pflanzen liebevoll Sprechen“ aus? Wissenschaftliche Hinweise, dass Pflanzen untereinander auch auf bislang unbekannte, subtile Art, und nicht nur etwa über Duftstoffe, kommunizieren gibt es, wie etwa diese Studie. Bekannt ist schon, dass junge Pflanzen auch akustisch sensibel sind und selbst Klick-geräusche über die Wurzeln äußern zur Kommunikation mit ihresgleichen.

Pflanzen sind „intelligent“: Sie nehmen verschiedene Spektren des Lichts, Töne, Vibrationen, die Schwerkraft, Duftstoffe, Chemikalien, Temperatur wahr und reagieren darauf in ihrem Sinne.

Wir können das nur feststellen, weil auch wir Menschen diese Signale bisher wahrnehmen oder messen können. Gibt es wohl weitere, uns noch nicht bekannte Signale, Kommunikations- und Informationsformen? Ich denke ja.

Kann der Mensch die Wirklichkeit an sich und die ganze Wirklichkeit über seine Sinne wahrnehmen und über Geräte messen? Ich denke nein.

Wie ver-messen ist es dann, anzunehmen, dass es DAS nicht gibt, von dem wir (noch) nichts wissen? Beispielsweise Gedankenübertragung? Ist diese wirklich undenkbar und unmöglich?..

Welche Gefühle transportieren wir?

Besonders interessant ist schließlich diese in dem eingangs erwähnten Artikel zur Macht der Berührung zitierte Studie:

– Menschen spüren signifikant häufig, welcher Stimmung jemand anderes ist, während sie von diesem mit verbundenen Augen angefasst werden.

Die Emotionen Zuneigung, Abneigung oder Dankbarkeit wurden auf subtile Art durch die Berührung übertragen. Die Emotionen des Berührenden wurden vom Berührten sicher erspürt.

Und damit kommen wir am Ende dieses kleinen spontanen und assoziativen Blogposts auf das Fazit und die Botschaft, die ich damit verbinde:

Wirst du im Alltag von Anderen berührt? Wie fühlt sich das jeweils an?

Berührst Du andere alltäglich? Welche Gefühle gibst du in deine Berührung? Hast du dabei eine wohlwollende Einstellung?

Wir spüren (unterbewusst), ob wir überhaupt berührt werden. Und wenn wir berührt werden, spüren wir – bewusst oder unbewusst – wie. Was dahinter steckt.

Wäre es dann nicht eine gute Idee, die Menschen um uns bewusst und liebevoll zu berühren, im mentalen wie auch im körperlichen Sinne?

Damit sie – und zugleich auch wir selbst – mutig und kräftig wachsen und gedeihen.

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